Der Pride heute und damals – eine stolze Geschichte!

Der Pride heute und damals – eine stolze Geschichte!


Nach einem pandemiebedingten trostlosen Sommer 2020 durften wir 2021 endlich wieder auf die Straßen gehen und unseren Kampf für Gleichberechtigung sowie unseren Stolz und unsere Lebensfreude in die Welt hinaustragen. Zwar ist noch nicht alles wie immer, dennoch haben die Sommermonate gezeigt, dass die LGBTQ-Community Lust auf Veränderung hat und mehr denn je zeigen will, wie wichtig Sichtbarkeit für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung für alle Menschen unterm Regenbogen ist. Wir wollen feiern, wir wollen uns umarmen und küssen und wir wollen auch stolz Flagge zeigen und klarmachen: Kein Schritt zurück! Die Bilder von den großen deutschen Prides 2021 demonstrieren das eindrucksvoll.  

CSD Berlin 2021, © Hector Navarro

Die Älteren und Geschichts-Interessierten werden noch wissen, dass die Ursprünge aller weltweiten Paraden, wie wir sie heute kennen, in der New Yorker Christopher Street liegen. Dort, wo sich einst Schwule, Lesben, transsexuelle und queere Menschen sowie Drag-Queens im Juni 1969 gegen polizeiliche Willkür und Gewalt zur Wehr setzten und erstmals Gleichberechtigung einforderten. Dreh- und Angelpunkt war die bis heute berühmte Bar Stonewall Inn. Bereits ein Jahr später gab es den allerersten Christopher Street Liberation Day, um an die Aufstände in New York zu erinnern.

Stonewall Inn New York, © Michael Soze

Es dauerte acht Jahre, bis es in Europa zum ersten Vorläufer der heutigen Prides kam. Rund 400 Demonstranten feierten 1977 in Stockholm den „Befreiungstag der Schwulen und Lesben“. In der Schweiz kam es 1978 in Zürich zum allerersten Christopher Street Day. Die Bezeichnung selbst hat sich bis heute nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehalten, weltweit spricht man zumeist einfach nur noch von den Gay Prides. Ein Jahr später kam es dann 1979 zu den ersten CSDs in Deutschland – die ersten mutigen Homosexuellen und queeren Menschen gingen in Bremen, Köln, Stuttgart und dem damaligen West-Berlin auf die Straße, um sich gegen Diskriminierung einzusetzen. Noch etwas unsicher war man sich zu dieser Zeit, welchen Namen man der Demonstration denn nun schlussendlich geben sollte. Vom „Gay Pride“ über den „Gay Freedom Day“ bis zum „Schwulen Karneval“ war alles mit dabei.

Erster CSD 1979 Berlin, © Rolf Fischer, SMU Berlin

Ein paar hundert Mutige auf der Straße

In Berlin kamen 1979 rund 450 Demonstranten zusammen, auf deren Transparenten die ersatzlose Streichung des Paragraphen 175 eingefordert wurde und auf denen die unterschiedlichen Mottos zu lesen waren: „Mach Dein Schwulsein öffentlich“ sowie „Lesben erhebt Euch und die Welt erlebt Euch!“ Ein Jahr später gingen dann erstmals rund 1.500 Menschen beim allerersten Pride in Hamburg auf die Straße.

Drei Jahre später schließlich kam es im Juni 1982 auch in Österreich zu einer ersten Fackelparade, zwei Jahre darauf wurde der erste offizielle „Gay Pride Day“ veranstaltet – der Demonstrationszug ging einmal durch die Wiener Innenstadt. Seit 1996 bezeichnet sich der Wiener Pride als Regenbogenparade.

CSD München 2021, © Mark Kamin

Inzwischen gehört der Pride in vielen Städten in Deutschland zu einer festen Größe – trotz der letzten Auswirkungen der Pandemie gab es allein in der Bundesrepublik 2021 rund sechzig Paraden. Die größten Demonstrationen fanden in den letzten Jahren in Berlin, Köln, Hamburg und Stuttgart statt, wobei Köln mit beinahe einer Million Besuchern der Spitzenreiter in den letzten Jahren vor Corona war.

Dafür wurden in Berlin 2021 gleich mehrere Pride-Paraden veranstaltet. Europaweit sind die Spitzenreiter Madrid und London, weltweit führen in puncto Besucherzahlen São Paulo und San Francisco mit bis zu drei Millionen Gästen. In der Stadt, in der alles begann, im Big Apple, demonstrieren dagegen jährlich „nur“ rund eine halbe Million LGBTQ-Menschen.

Denkmal für Homosexuelle New York, © Michael Soze

Daneben gibt es inzwischen in Deutschland auch weitere queere Demonstrationen, Alternativ-Veranstaltungen, stadtteilbezogene Prides oder auch Europrides wie im Jahr 2002 in Köln. Zudem ist vielerorts aus dem Demonstrationstag eine Pride Week oder ein Pride Month geworden. Und so sehr sich die Prides immer wieder gewandelt haben und zu immer größeren Happenings geworden sind, so wichtig ist bis heute die zentrale Botschaft und der Kampf gegen Diskriminierung und für gesellschaftliche Akzeptanz und rechtliche Gleichberechtigung – hier und anderenorts auf der Welt, denn in vielen Ländern ist auch heute noch immer nicht an einen Pride zu denken, geschweige denn an gleiche Rechte für LGBTQ-Menschen. Es gibt also noch immer viel zu tun – auch im zweiundfünfzigsten Jahr des Pride.  

CSD München 2021, © Mark Kamin

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AUTOR:
Michael Soze

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