Ades Zabel ist Schauspieler, Komödiant und Kultfigur. Er ist seit den Achtzigerjahren ein fester Bestandteil der Berliner Kabarett-Szene. Seine bekannteste Rolle „Edith Schröder“ verkörpert eine Neuköllner Langzeitarbeitslose, die mit Humor und Berliner Schnauze vielen aus der Seele spricht. Wir trafen Ades Zabel in seiner Brutstätte, dem BKA Theater in Kreuzberg, und sprachen über die Berliner Theaterlandschaft, Comedy-Busreisen und natürlich über den neuen Film „Ediths Glocken“.

Ades Zabel MŠrz 2010 Fotocredit: J…RN HARTMANN
Ades Zabel // Fotocredit: Jörn Hartmann

Hallo Ades, schön dass es geklappt hat. Wieviel Edith steckt denn in Ades?

Ich würde das schon auseinander halten. Erst diesen Sommer hatten wir eine Open Air-Veranstaltung, nach der sich Leute darüber monierten, die Show sei rassistisch und sexistisch. Da merkte ich, dass einige Leute die Privatperson nicht von der Bühnenfigur trennen können. Die Bühnenfigur erzählt natürlich drastischere Sachen oder vertritt auch andere Meinungen. Das müssen die Leute halt mal abstrahieren.

Die Leute vermischen also gerne Ades mit Edith?

Ja, dann heißt es, Ades Zabel lästert über Ausländer ab, was ich ja nicht tue. Edith Schröder allerdings schon. Sie ist eine Neuköllner Hausfrau Ende 50 und hat natürlich eine andere Meinung.

Lass’ uns mal über den Film sprechen, warst Du sehr aufgeregt?

Auf jeden Fall, wir hatten den Film erst ein einziges mal vor Publikum gezeigt und das waren hauptsächlich die Leute aus dem Team. Der Film ist ziemlich lang geworden, im Schnitt aber deutlich gekürzt, was sehr gut geklappt hat. Die erste Version war fast zwei Stunden lang, das wäre dann Ediths Weihnachtsfilm in Titanic-Länge gewesen.

Ist es einfacher, einen Film zu machen, als ein Bühnenstück?

Einfacher ist es nicht: Auf der Bühne hast du die Reaktionen von dem Publikum sofort und kannst dann ausspielen. Im Film musst du lange warten, bis es weiter geht, und die Publikumsreaktionen kommen erst, wenn der Film im Kino läuft. Das Publikum im BKA etwa wartet schon auf Versprecher und amüsiert sich darüber im positiven Sinne. Ich würde nicht nur Filme machen wollen. Mir macht beides Spaß.

In Berlin ist Edith Schröder längst Kult, aber kommt die Berliner Schnauze überall an?

Es funktioniert auch auswärts. Was Edith da macht, ist so allgemein gültig. Eben so, wie es eine prollige Hausfrau machen würde. Theoretisch könnte sie auch aus Köln, Hamburg oder München kommen, wenn man den Dialekt anpasst. Es gibt in fast jeder Stadt einen vergleichbaren Kiez wie Neukölln. Edith spricht schon Themen an, die die Leute interessieren.

Ich komme ja aus einfachen Verhältnissen und solche Figuren liegen mir am ehesten.

„Hürriyet Lachmann“, „Karin Hoehne“ oder „Edith Schröder“. Welche ist deine Lieblingsrolle?

Edith ist die beliebteste Rolle und auch die, die ich am häufigsten gespielt habe. Die ehemalige Grundschullehrerin Karin Schoene ist als Figur sperriger und von den Themen her begrenzt. Da ist so eine Hausfrau einfacher, da die Rolle über fast alles reden kann wie etwa Gentrifizierung oder Flüchtlinge.

Ades Zabell // Fotocredit: Frederik Busch
Ades Zabell // Foto

Würdest du dich selbst als Travestie-Star sehen?

Nein, aber ich habe erst neulich eine Diskussion geführt, bei der es darum ging, wie ich mich selbst sehe. Unter Travestie-Star stelle ich mir großes Make-up mit tollen Kostümen vor, was ich ja gar nicht bin. Ich imitiere auch nicht Whitney Houston oder Donna Summer.

Warum Randfiguren? Ist es deine Art, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten?

Ja schon, ich komme ja aus einfachen Verhältnissen und solche Figuren liegen mir am ehesten. Ich hätte auch gar keine Lust, Promis zu persiflieren.

Wie hat sich für dich die Bühnenlandschaft in Berlin verändert? Stichwort Kudamm-Bühnen…

Das Lustige ist ja, daß ich immer in meiner eigene Suppe koche. Ich trete im BKA auf oder spiele im Tipi am Kanzleramt, daher habe ich da gar nicht so den Einblick in andere Theater. Berlin ist eine riesige Stadt und es gibt ein sehr großes Angebot. Es ist normal, dass manche Sachen untergehen. Auch wenn die Leute toben, man sollte sich um die Orte bemühen, für die es ein Publikum gibt. Mein Vater war früher im Theater-Club und ich begleitete ihn an die Kudamm-Bühnen. Ich dachte dann immer, dort weht der Hauch des Todes. Das Publikum war sehr alt. Ich habe nichts gegen alte Leute, im Gegenteil, aber die Stücke waren auch sehr bieder inszeniert. Wenn es dann jemanden gibt, der neu und modern inszeniert und das jüngere Publikum anzieht, hat so ein Theater auch seine Berechtigung. In den Läden, in denen ich auftrete, müssen alle wirtschaftlich rechnen, damit der Laden läuft, weil sie keine Förderung von der Stadt bekommen.

Du begleitest als Edith Schröder den Comedy-Bus. Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin vor langer Zeit schon einmal angesprochen worden, den Comedy-Bus zu begleiten, aber die Fahrten gingen immer ins Berliner Umland. Lutz und Moritz, zwei Jongleure, haben dann das Konzept aufgegriffen und nach Berlin geholt. Und als Edith gehe ich mit auf Fahrt und unterhalte das Publikum. Manchmal landen dann auch Leute im Bus, die nicht verstehen, dass es sich um Comedy handelt. Edith ist schon mal sehr böse und es kommt immer drauf an, was für Publikum im Bus sitzt.

Welchen Komiker findest du denn am besten?

Martina Hill von Knallerfrauen oder Anke Engelke mag ich sehr. Ich bin manchmal im Quatsch Comedy Club, aber vieles ist mir dort zu glatt gebügelt – nicht ankommende Bahn oder Familien-Witze. Wen ich ganz toll fand, war Irmgard Knef, gespielt von Ulrich Michael Heissig. Der ist ein Meister der tollen Formulierungen. Selten gesehen, wie man Texte so doppeldeutig machen kann, mit so einem tollen Timing. Malediva fand ich immer toll, aber die gibt es ja leider nicht mehr.

Du bist Schauspieler, Komödiant, Reiseführerin, DJ? Es klingt nicht so, als würdest du irgendwann aufhören wollen.

Ich habe einen gewissen Lebensstandard, eine große Wohnung und meine Rente wird nicht viel sein. Es wird nicht ausbleiben, lange zu arbeiten. So lange ich noch fit bin, mache ich das noch. Notfalls auch noch 30 Jahre. Ich stehe halt auch sehr gerne auf der Bühne.

Wie sehen deine Pläne für 2017 aus?

Disco Balls mit Biggy van Blond kommt ja wieder. Es ist was in Planung. Könnte sein, dass es sich um einen Flughafen handelt. Wir dachten, das Thema könnte noch eine Weile aktuell bleiben.

Interview: Ernesto Klews


NACH DEM ERFOLGSNEUKÖLLNICAL „WENN EDITHS GLOCKEN LÄUTEN“

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Ediths Glocken Der Film
EDITHS GLOCKEN – DER FILM

 

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